19. Jahrhundert

 

 

Zu keiner Zeit veränderte sich die Mode so schnell wie im 19. Jahrhundert. Waren um die Wende zum 19. Jahrhundert noch die klassischen einfachen Formen der letzte Schrei, so kamen in den frühen 20ern bereits wieder Korsett und Rockunterbauten in Mode. In den späten 30ern und 40ern trug Frau teilweise bis zu 7 Unterröcke über ihrem Schnurunterrock, um dem Kleid die gewünschte Weite zu geben. Auch die Ärmel wurden in den 30ern mit Hilfe von Daunen künstlich aufgebauscht.  Die Rockunterbauten wurden schließlich immer umfangreicher und erreichten in den 50ern eine bisher nicht gekannte Weite in Form der Krinoline (Stahlreifrock.). Durch die Serienreife der Nähmaschine Ende der 40er wurde natürlich auch das Nähen vereinfacht und es entstanden Kleider mit aufwändigen Falten bzw. Rüschenborten. Man schwelgte nun in der Dekoration.  

 

In den späten 60ern hatte die Krinoline, die zu dieser Zeit elyptisch war, derartige Ausmaße erreicht, dass sie Karikaturisten zu wunderschönen Vergleichen anregte. Nach diesem Höhepunkt kam wie so oft wenn etwas völlig überspitzt wird, das Aus für diese Mode. Der Rockunterbau wanderte eher nach hinten und wurde in den Seiten schmaler. Die Tournüre war geboren und begleitete die Damen durch die 70er.  

 

Die Konfektionsmode, wie wir sie heute kennen, geht auf die 1850er zurück, als Charles Worth in Paris in einem Kaufhaus begann, fertige Kleider über den Laufsteg zu schicken. Damit schuf er neue Prioritäten in der Mode. Man orientierte sich nicht mehr am Hof, sondern an dem, was Designer vorgaben. Bereits ab 1855 erschien der "Bazar" - eine Mode- und Gesellschaftszeitschrift, aus der Frau die neuesten Trend entnehmen konnte. Dieser enthielt auch bereits Schnittmusterbögen und Anleitungen für Borten usw. Verziert wurde einfach alles und jedes. Frau besaß Kleider für die verschiedenen Tageszeiten mit der jeweils dazugehörenden Unterwäsche.  

Empire-Kleid und Schute für Kinder  

 

Zum 2013 anstehenden 200. Jubiläum der Völkerschlacht (und des 100. Jubiläums des Völkerschlachtdenkmals) in Leipzig im Oktober sind mehrere Empire-Projekte entstanden. Das erste davon ist eine Kindervariante.  

 

Das Kleid besteht aus einer gestreiften Baumwolle, verziert ist es mit einer Schleife im Rücken aus cyanfarbener Dupionseide.



 

Empire-Kleid für Kinder (Rückansicht)
Empire-Kleid für Kinder (Rückansicht)

 

Empire-Kleid für Kinder (Vorderansicht)
Empire-Kleid für Kinder (Vorderansicht)

Dazu gehört eine passende Minischute aus dem gleichen Stoff wie der Schleife:



 

Minischute innen
Minischute innen

 

Minischute
Minischute

Die Entstehung von Kleid und Schute haben wir ausführlich in einem PDF dokumentiert:

 

                                                        

                            
                                                                                                                                                            Empire-Ensemble für Kinder.pdf                    [ 5 MB ]                            

 

Empire-Frauenensemble in Blau

Nachdem die Kindervariante fertig war, konnte es mit den Damen weitergehen. Zuerst ein blaues Kleid mit Paspeln, darunter ein sogenannter Bodiced Pettcoat, der bis zu einem gewissen Grad das Schnurkorsett ersetzen kann, da er im Miederbereich mit Stahl verstärkt ist. Dazu gibt es einen Spencer aus dunkelbraunem Samt. Die Schute ist in gleicher Weise entstanden wie oben bei der Miniversion beschrieben. 

 

Alles ist entstanden nach dem Schnitt "La Mode Bagatelle". Der Schnitt ist zwar recht preisintensiv, dafür enthält er aber Schnitte für 2 Kleider, 2 Spencer, falsche Ärmel, eine Chemisette, den Bodiced Petticoat, ein Empire-Barett, einen Muff und eine kleine Tasche. 





 

Der Empire-Spencer von hinten

 

Der Empire-Spencer von vorn

 

Das Empire-Kleid von hinten

 

 

 

 

 

Das Empire-Kleid von vorn

Eine ausführliche Beschreibung der Herstellung finden Sie in diesem PDF:

 

                                                        

                            
                                                                                                                                                            Anleitung Empire-Ensemble.pdf                    [ 3,1 MB ]                            

 Dazu gibt es auch ein passendes Herrenoutfit, für dessen Beschreibung uns aber in der Hektik vor der Völkerschlacht leider die Zeit fehlte. Dafür wurden Schnitte von Rocking horse verwendet.  

 

 

 

Außerdem entstand noch eine leichte Variante aus Baumwollsatin und Chiffon.

 

 

 

Spätes Empire/Frühes Biedermeier-Ensemble 

Zunächst für die Völkerschlacht entstanden ist dieses Kleid aus weißem Musselin und Seidenchiffon. Die Teile sind alle doppellagig zugeschnitten (Chiffon über Musselin). Die Verzierungen sind aus seegrünem Taft. Der Saum ist leicht wattiert, wodurch das Kleid eigentlich eher später datiert werden kann, so um 1815 bis 1820, wodurch es eher ins sehr frühe Biedermeier gehört. Als Schnitt kam wie bei den Kleidern oben das Paket von La Mode Bagatelle zum Einsatz.

 

Zunächst der Entwurf:

 

Entwurf für das Kleid

 

Wie üblich ist das Kleid natürlich nicht ganz genau so umgesetzt wie in der Skizze:



 

weißes Kleid aus dem späten Empire (Rückansicht)

 

weißes Kleid aus dem späten Empire (Vorderansicht)

Zum Kleid gehört ein Spencer aus hellbraunem Samt mit Stehkragen, der Verzierungen mit einer Posamentenborte mit Fransen trägt. Die kurzen Zierärmel über den langen sind nach einer Anleitung von Koshka The Cat selbst erstellt. 



 

Spencer von hinten

 

Spencer von vorn

Und hier noch das Kleid in Aktion, wegen der kühlen Temperaturen leider nur mit Spencer:



 

 

Umsetzung des Kleides

 

Ein weiteres frühes Biedermeierkleid  

 

Diese Kleid entstand in Anlehnung an das Komplettpaket von La Mode Bagatelle. Allerdings haben wir die Taille ein wenig nach unten gesetzt, wo sie in den 1820ern hingehört. Das Brustteil ist mit ungedrehter Seide bestickt. Die Applikationen auf dem Rock sind typisch für die Zeit.  

Biedermeierkleid 1820


1  

 

Eine Herrenausstattung aus den frühen 1820ern  

 

 

 

Die Herrenmode des 19. Jahrhunderts unterlag nicht ganz so schnellen Veränderungen wie die Damenmode. Das von uns verwendete Schnittmuster von Rocking horse ist dementsprechend auch für die späten 1790er bis in die frühen 1820er geeignet. Unterschied sind beim Frack der Schnitt des Kragens und die Taillennaht. Außerdem unterscheiden sich die Manschetten der Ärmel. Wir haben die späteste Variante genäht. Diese ist aber auch für spätes Empire durchaus tragbar.  

Die Stoffe:

Für die Weste: Seidenjaquard für die Front und Futterstoff für den Rücken und zum Füttern. Leinen als Einlage

 

Für Frack und Hose eine leichte Wolle sowie Futterstoff bzw. Batistfutter. Als Einlage wird Rosshaar verwendet.

 

1. Die Hose

 

Für die Hose haben wir ein Schnittmuster von Rocking Horse verwendet. Es handelt sich um eine Frontklappenhose mit normaler Beinweite. Der Schnitt ist abgesehen von der Frontklappe einer modernen Hose nicht unähnlich.

 

Zuerst werden alle Teile aus Stoff zugeschnitten. Dann haben wir die beiden vorderen Hosenteile nochmals bis Knielänge aus einem leichten Baumwollbatist zugeschnitten. Es kann auch Futterstoff verwendet werden. Die Hosenteile werden nun zuerst an der Gesäß/Frontnaht vernäht. Und zwar Stoff undFutter getrennt. Dann werden die Seitennähte geschlossen. Dabei wird das Futter mit eingefasst.

Als nächstes werden nun die beiden runden Klappen rechts auf rechts mit sehr schmaler Nahtzugabe auf das Vorderteil genäht. Dabei werden Futter und Stoff wieder gesondert verarbeitet. Die Nähte sollten aufeinander zu liegen kommen, sodass zum Schluss sowohl von außen als auch von innen versäubert ist.Dann von Hand die Klappen gegeneinander nähen und so versäubern.

 

Wenn Sie das Rokokoprojekt verfolgt haben, werden Sie festgestellt haben, dass wir die Frontklappe ebenfalls von Hand gegeneinandergenäht haben. Allerdings ist die Rokokoweste auch lang genug, die dadurch entstehenden Falten zu verdecken. Das war zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr der Fall. Wir sind deshalb hier anders vorgegangen. Es wird ein ca. 5 cm breiterStreifen aus dem Stoff zugeschnitten, der etwas länger ist, als die Klappe. Dieser wird nun rechts auf rechts mit sehr kleiner Nahtzugabe auf die Frontklappe rechts und links genäht. Dann wird unten umgeschlagen, ausgebügelt und der Streifen von innen vernäht. Evtl. kann unten mit ein paar Stichen arretiert werden.  

 

Nun sollte eine Anprobe erfolgen, um die Weite über die Seitennähte anzupassen. Abnäher oder gar Falten gehören nicht in eine Herrenhose des 19. Jahrhunderts.

 

Den Bund haben wir 3-lagig gearbeitet. Stoff, Futter und Einlage. Er hat hinten eine Naht. Es kann auch ein Dreieck eingesetztwerden und eine rückwärtige Schnürung für die Weite eingearbeitet werden. Der Bund ist deutlich höher als bei einer modernen Hose. Die Weste sollte ihn auf jeden Fall verdecken. Geschlossen wird die Hose mit insgesamt 4 Knöpfen. 2 knöpfen die Frontklappe nach oben und 2 schließen den Bund. Zum Schluss kann nun die Länge abgesteckt werden.

 

 

Hose frühes Biedermeier


 

 

2. Die Weste

 

Für die Weste haben wir das Schnittmuster selbst erstellt. Westen um diese Zeit sind relativ kurz und unten gerade. Als Grundlage haben wir das historisierende Schnittmuster Burda 2767 genommen und dieses entsprechend abgeändert.

   

Das Vorderteil wird je zweimal aus Stoff  und Einlage zugeschnitten. Wir verwenden hier als Einlage Leinen. Rosshaar wäre für eine Weste zu steif. Bei den Einlagenteilen werden die Abnäher ausgeschnitten, damit nicht so dicke Wülste entstehen. Dann werden die Abnäher in die Stoffteile genäht.

   

Nun kommen die Paspeltaschen hinein. Dazu werden Taschenbeutel aus Stoff und Futter sowie die Paspeln aus Stoff und Vlieseline zugeschnitten. Vlieseline aufbügeln. Die Taschenbeutel werden so vernäht, dass oben ca. 1,5 cm frei bleiben. Die Paspel wird nun rechts auf rechts auf die untere Markierung der Tasche genäht, dabei an den Rändern nur bis zur Markierung nähen. Dann den Taschenbeutel rechts auf rechts auf die obere Markierung nähen. Dabei das Futter so wegklappen, dass es nicht mit vernäht wird. 

 

Dann den Taschenbeutel nach unten klappen und die Paspel mit dem Futterstoff verbinden.

   

Nun wird entlang der Markierung (Mittellinie und Dreiecke) geschnitten. Zum Schluss werden die Paspeln nach innen geschlagen und mit den weggeklappten kleinen Dreiecken auf der Innenseite vernäht. Alles sehr gut ausbügeln.

   

Nun werden die Schulterteile an die Vorderteile genäht und wieder ausgebügelt.  Danach werden wird die Rückennaht geschlossen und Vorder-und Rückenteile miteinander verbunden.

 

Für das Futter werden zuerst die Beläge mit dem Vorderteil verbunden. Dann in der gleichen Weise wie beim Stoffteil Schulterteile und Rücken annähen. Dabei bleibt allerdings die Rückennaht offen – lediglich die oberen 10 cm werden geschlossen, da über diese Naht später alles gewendet werden soll.

   

Der Kragen wird an den Außenkanten – oben und Seiten –vernäht, gewendet und ausgebügelt. Dann wird er rechts auf rechts auf das Stoffteil geheftet. Darüber kommt ebenfalls rechts auf rechts das Futterteil. Die Seiten und Unterkanten werden ebenfalls rechts auf rechts aneinandergeheftet und miteinander vernäht. Alles wenden und ausbügeln. Dann die Armausschnitte ebenfalls rechts auf rechts miteinander verbinden. Dabei erfolgt der „Einstieg“ über die noch offenen Rückennaht im Futter. Zum Schluss kommen Knöpfe und Knopflöcher hinein und alles wird gut ausgebügelt.

 

 

Weste frühes Biedermeier


 

3. Der Frack

 

Der Frack wurde ebenfalls nach einem Schnittmuster von Rocking Horse gearbeitet. Hier ergab sich allerdings die Schwierigkeit, dass dieses für Männer bis ca. 1,80 m ausgelegt ist. Wir mussten somit verlängern. Dazu haben wir die Taillenlinie aufgezeichnet und die Schnittteile für Front, Rückenund Besatz an dieser Stelle auseinandergeschnitten. Beim Zuschnitt haben wird dort um 3 cm verlängert. Nachdem nun diese Teile aus Stoff und Futterstoff zugeschnitten sind, werden alle Markierungen übertragen. Die Markierungen für die Faltung des Revers wird mit einem Faden mit großen Heftsticken markiert. Dann wird die Einlage zugeschnitten. Dabei wird der Abnäher ausgeschnitten, damit später nicht so eine dicke Wulst entsteht.  

Nachdem in die Frontteile die Abnäher eingearbeitet und ausgebügelt sind, wird der Besatz aufpikiert.

 

Nun wird die rückwärtige Naht geschlossen und die Frontteile mit dem Rückenteil verbunden. Dabei sind die vorderen Schulterteile etwas kürzer als die hinteren. Beim Vernähen wird der Stoff der Vorderteile leicht gedehnt und so auf die gleiche Länge gebracht. Durch dieses Einhalten des Rückenteils fällt es später schöner. Nachdem alles ausgebügelt ist, sollte nun die erste Anprobe erfolgen, um die Schultern abzustecken. Dann werden die Ärmel vernäht und eingesetzt.

 

Die Futterteile werden in gleicher Weise vernäht, vorn werden links auf rechts die Besatzteile aufgenäht.

 

Der nächste Schritt ist das Nähen der Schöße. Im Schnittmuster sind diese als ungefüttert angegeben. Dabei ist aber zu bedenken, dass im 19. Jahrhundert teilweise filzartige Stoffe verwendet wurden. Bei der von uns verwendeten leichten Wolle würde die Schöße sehr flatterig wirken, wenn sie nur aus einer Lage Stoff bestehen würden. Wir haben deshalb jedes Teil 4mal aus Wolle zugeschnitten. Dann werden jeweils ein Front- und ein Rückenteilan der Seitennaht miteinander verbunden. Dadurch sollten 4 Teile entstehen – 2 rechte und 2 linke Schöße. Nun werden jeweils 2 Schöße rechts auf rechts miteinander an den Seiten und unten verbunden. Dann wenden und sehr gut ausbügeln, zum Schluß wie angegeben die Falten hineinbügeln. Die Schöße werden so an die Unterkante des Frackoberteils genäht, dass sie in der Mitte überlappen. Die Seitennähte von Oberteil und Schoß sollen aufeinandertreffen. Dann wieder gut ausbügeln.

 

Als nächstes wird der Unterkragen genäht. Dazu die beiden Teile aus Stoff und Einlage an der rückwärtigen Naht vernähen und die Einlage links auf links aufpikieren. Dann wird der Oberkragen links auf links auf den Unterkragen genäht. Danach wenden und alles wieder gut ausbügeln. Der Kragen wird zuerst mit groben Stichen auf den Stoff des Fracks geheftet, dabei kommt der Unterkragen rechts auf rechts auf dem Frackrücken zu liegen. Dann wird das Futterteil daraufgeheftet und alles an der Oberkante vernäht. Oben in ca. 3 cm Abständen bis zur Naht einschneiden. Dann werden auch die Seitenkanten und die Unterkante bis zum Ansatz der Schöße miteinander vernäht. An den Ecken die Nahtzugaben weit zurückschneiden, alles wenden und gut ausbügeln. Zum Schluss wird das Futter an der Unterseite über den Schößen angenäht.

 

Die Ärmelaufschläge werden je 2 x aus Futterstoff und Stoff zugeschnitten. Dabei sind die Futterteile ca. 1,5 cm kürzer (unten). Nun werden Futterteile und Stoffteile jeweils zu Röhren vernäht, ausgebügelt und am oberen Rand rechts auf rechts miteinander verbunden. Dann zusammenklappen und die obere Kante gut ausbügeln. An den Ärmelunterkanten werden Futter und Stoff mittels Zickzacknaht miteinander vernäht, damit sie nicht verrutschen.  Dann werden die Aufschläge auf links gewendet und rechts aufrechts auf den Ärmel gesteckt. Dabei zeigt das Futter nach unten. Es wird nun an der Unterkante mit dem Ärmel vernäht.

   

Dann wird der Aufschlag nach unten geklappt und um den unteren Rand geschlagen. Mit der Hand auf der Innenseite des Ärmels vernähen.

 

Zum Schluss wird das Revers ausgebügelt und es kommen die Knöpfe und die Knopflöcher an die markierten Stellen.

 

 

 

Frack frühes Biedermeier


 

  

Biedermeier-Rosenkleid

2011 haben wir zum Biedermeierstrandfest in Hayna mal so eben auf die Schnelle in einer Woche zwei Biedermeier-Kleider genäht - oder eher Pseudo-Biedermeier. So richtig zufrieden waren wir damit nicht, denn aufgrund von Zeit- und Materialmangel mussten wir viel improvisieren und Kompromisse eingehen. Aber mit halben Sachen geben wir uns natürlich nicht zufrieden. Deswegen musste 2012 etwas Ordentliches her.

Dieses Projekt war lange Zeit als ausführliches Aktuelles Projekt auf unserer Seite zu finden und ist nun in ein PDF gewandert. Dieses können Sie hier herunterladen.

 

Biedermeier-Rosenkleid

 

 

                                                        

                            
                                                                                                                                                            Anleitung_Biedermeier-Rosenkleid.pdf                    [ 2,9 MB ]                            

 

Abendkleid aus den 1840ern 

Leider noch nicht zum Einsatz gekommen, aber schon fertig genäht ist dieses Biedermeierkleid für einen Abend in den 1840ern. Der Schnitt für das Mieder ist aus dem Buch "Period Costumes for the Stage and Screen - Patterns for Women's Dress 1800-1909" von Jean Hunnisett entnommen. Rock und Ärmel sind weitestgehend selbst erstellt. Genaues zur Herstellung steht aber im folgenden PDF. Die Anleitung ist recht ausführlich gehalten, da die Schnitte ohne Nähanleitung sind, daher ist der Schnitt (auch wegen der vorzunehmenden Schnittvergrößerung und dem nötigen Anpassen der Teile, weil nur eine Größe enthalten ist) nicht für Anfänger zu empfehlen!

 

Hierfür gab es auch wieder eine Skizze:

Skizze für das 1840er Abendkleid

Und hier die Umsetzung:



 

Rückansicht des Abendkleides

 

Vorderansicht des Abendkleides

 

 

                                                        

                            
                                                                                                                                                            1840er Abendkleid.pdf                    [ 8,6 MB ]                            

 

 

 

Ende 2013 entstand außerdem ein Biedermeierkleid aus den späten 1830ern.  Dazu kam 2015 ein Abendkleid nach dem gleichen Schnitt. 

 

Biedermeierkleid um 1838
Tageskleid

 

 

Biedermeierabendkleid
Abendkleid

 

 

Auch dieses Projekt haben wir detailliert beschrieben. Sie finden die Beschreibung hier.  

Die Krinoline - Das zweite Rokoko

Der Unterbau

Nachdem sich Frau nach der französischen Revolution erfolgreich von Reifrock und Schnürbrust befreit hatte, feierten diese in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine umso grandiosere Auferstehung. Die Schnürungen der Taille erreichten teilweise Ausmaße, die die Fantasie der Karrikaturisten zu Vergleichen mit dem Tierreich animierten. Das Korsett erlangte dabei eine große Bedeutung. Dieses soll im Gegensatz zur Schnürbrust die weibliche Figur betonen. Die Taille wird geschnürt, der Busen hervorgehoben. Wir haben hierfür ein Schnittmuster von Laughing Moon (LM 100) verwendet. In diesem sind zwei Korsettformen sowie eine Chemise und die "Unaussprechlichen" - mittellange Unterhosen - enthalten. Dabei sind Körbchengrößen bis G-Cup möglich.

 

Für das Korsett haben wir 2 Lagen sehr feste Baumwolle, es geht auch Jeansstoff oder Köper, als Innenlagen verwendet. Dazu kommt noch Innenfutter und der Oberstoff - z.B. Satin oder Taft. Das Schnittmuster wird nun in der entsprechenden Größe ausgeschnitten und jeweils 4 komplette Korsettlagen zugeschnitten. Diese werden nach der Anleitung miteinander vernäht. Die Annähzahlen auf den Teilen sind hier im Gegensatz zu manch anderen Schnitten sehr gut, sodass man auch ohne Englischkenntnisse gut zurechtkommt. Wenn alle 4 Lagen genäht sind, werden sie miteinander verbunden, indem entlang der vorhandenen Nähte gesteppt wird. Sie sollten sehr gut aufeinander passen. Dabei werden die vorderen Schließen mit eingearbeitet (siehe Anleitung). Dann wird jeweils seitlich der Nähte rechts und links sowie hinten wie angegeben je ein Kanal für den Stahl angesteppt. Wir haben im vorderen Bereich Spiralstahl und im hinteren Bereich Flachstahl (beides 11 mm) verwendet. Die Enden sollten jeweils mit Endkappen versehen werden, da besonders der Spiralstahl sonst durchsticht. Nun werden die Korsettteile oben abgesteppt, um sie zu schließen. Dann wird der Stahl eingezogen und unten geschlossen. Die Teile versäubert man mit Schrägband. Im hinteren Teil werden nun die Ösen eingeschlagen.  

 

Leider kann erst jetzt eine Anprobe erfolgen. Wenn es nicht passt, war also die Arbeit umsonst. Wir fertigen deshalb immer ein Probeteil an, das nur aus 2 Lagen besteht und in das hinten nur Löcher geschnitten werden. Dann kann abgeschätzt werden, ob alles passt. Da aber am Ende geschnürt wird, soll sich ja der Körper dem Korsett anpassen und nicht umgekehrt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Passform sehr gut ist, wenn man die normale Konfektionsgröße nimmt, die man sonst auch hat. Dann wird auch eine sehr gute Schnürung erreicht. Wenn alles passt kann nun nach Belieben verziert werden.

 

Unter das Korsett sollte eine Chemise gezogen werden. Diese haben wir entsprechend der Anleitung aus Batist gefertigt. Eine detaillierte Beschreibung der Unterbauten finden Sie im aktuellen Projekt II 

 

Nachdem die Röcke im Biedermeier langsam wieder weiter geworden waren, strebte man nun nach Extremen. Hierfür wurden Stahlunterbauten verwendet, die teilweise gigantische Durchmesser erreichten. Heute werden dafür oft Brautunterröcke verwendet. Das sollten Sie allerdings nicht tun, da die heutigen Brautunterröcke eine kegelförmige Silhouette haben, während eine Krinoline eine Glockenform haben sollte. Wir haben dazu kein Schnittmuster verwendet, sondern nur die auf www.neheleniapatterns.com enthaltene Maßtabelle für die Reifen zurückgegriffen. Da der Unterbau selbst einiges wiegt und auch die schweren Röcke aufnehmen muss, haben wir uns entschlossen, einen vorhandenen nicht mehr verwendeten Gürtel als Basis zu nehmen. an diesen haben wir dann 10 sehr feste Bänder aus Baumwolle genäht. Daran wird in gleichmäßigen Abständen das Tunnelband mit den 11er Stahlreifen befestigt. Dazu haben wir Sternzwirn verwendet, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Unten wird ein Stoffstreifen mit 5 Reifen angenäht (zwei unten direkt übereinander, zwei oben direkt übereinander und ein Reifen im der Mitte.

 

Darüber kommt ein Unterrock mit Volants, der eine weiche Silhouette macht. Man soll ja die Reifen nicht durch den Rock sehen.



 

Unterrock
Unterrock

 

Käfigkrinoline
Käfigkrinoline

 Außerdem wird ein Pokissen getragen, das die Rückpartie betont.

 

Pokissen
Pokissen

 

Für das Kleid haben wir uns für ein Schnittmuster von Simplicity entschieden. S3727 Tageskleid um 1858. Dieses haben wir allerdings abgewandelt. Es hat andere Ärmel erhalten und ist zweifarbig gearbeitet worden. Ansonsten haben wir uns aber weitestgehend an das Schnittmuster gehalten - auch wenn man es auf den ersten Blick nicht mehr sieht. Der Gesamtstoffverbrauch belief sich durch die zusätzlich eingearbeiteten Volants auf ca. 8.50 m. So sieht das Endergebnis aus:  

 

Tageskleid um 1858
Tageskleid um 1858

 

Außerdem ist zu dem Krinolinenrock auch eine Balltaille entstanden, um auch auf Sommerwetter vorbereitet zu sein:

 

Balltaille
Balltaille 2. Rokoko

 

Für den Hut haben wir ein Schnittmuster von LynnMcMasters LMM1001 verwendet.



 

Sommerhut um 1858
Sommerhut um 1858

 

Sommerhut um 1858
Sommerhut um 1858

 

Viktorianische Polonaise (Tageskleid) 

Der Unterbau

Zur Schnürung wurde dasselbe Korsett verwendet, dass auch unter der Krinoline getragen wird. Auch die Chemise ist dieselbe. 

 

Der nächste Schritt ist der Hummerschwanz oder Grand Bustle. Dieser soll die hintere Partie verstärken. Dafür haben wir ein Schnittmuster von Truly Victorian (TV 108) verwendet. Allerdings haben wir es nur wadenlang geschnitten und auch nur eine Reihe Stahl rundum ausgeführt. Für eine Polonaise ist das ausreichend. Die im Schnittmuster angegebenen Rüschen haben wir weggelassen, da noch ein Petticoat darüber kommt und dieser die Rüschen enthält. Vorn haben wir zudem eine Knopfleiste eingearbeitet.  



 

Hummerschwanz
Hummerschwanz

 

Chemise mit Korsett
Chemise mit Korsett (Silverado)

Als nächstes kommt nun der Petticoat darüber. Für diesen haben wir ebenfalls TV 108 als Vorlage genommen, allerdings mit ein paar kleinen Änderungen. So wurde bei allen Teilen ca. 1,5 cm Naht zusätzlich zugegeben, um eine etwas größere Weite zu erreichen. Außerdem wurde das Vorderteil im Stoffbruch zugeschnitten, so dass vorn keine Naht erscheint. Dafür wurden an den Seiten des Vorderteils Schlitze offengelassen und jeweils auf jeder Seite eine Knopfleiste eingearbeitet. Unten wurde eine Rundumrüsche angebracht. 



 

Frontansicht
Frontansicht

 

Seitenansicht
Seitenansicht

Darüber kommt eine Polonaise. Diese wurde nach einem Schnitt von Truly Victorian (TV 410) gearbeitet. Der Schnitt wurde im Wesentlichen beibehalten. Da wir in der Raffung des unteren Rocks noch über keine Erfahrungen verfügten, haben wir die Bänder für die Raffung als Knopflochleisten mit mehreren Knopflöchern gemacht. An den Raffpunkten sowie an zusätzlichen Punkten haben wir Knöpfe angenäht. So kann die Raffung individuell eingestellt und probiert werden.

 

Knopflochbänder für Raffung
Knopflochbänder für Raffung

 

Natürlich wurde das Kleid im Gothicstil ein wenig dekoriert. Dafür haben wir Metallvorlagen mit Perlen und Steinen besetzt und aufgenäht.





 

schwarze Tournüre Seitenansicht
Seitenansicht

 

schwarze Tournüre Frontansicht
Frontansicht

 

schwarze Tournüre Frontansicht Detail
Frontansicht Detail

 

schwarze Tournüre Rückansicht
Rückansicht

Die Frisur ist einem viktorianischen Modekupfer nachempfunden. Nach mehreren Versuchen und Variationen haben wir eine Variante gefunden, sie zu reproduzieren. Dafür gibt es nun auch eine bebilderte Anleitung:

 

 

                                                        

                            
                                                                                                                                                            Anleitung viktorianische Frisur.pdf                    [ 522 KB ]                            

 

Viktorianisches Abendkleid  

Wie für das Tageskleid haben wir für das Korsett einen Schnitt von Laughing Moon verwendet, für den Hummerschwanz von Truly Victorian die TV 108. Im Schnittmuster handelt es sich um einen Hummerschwanz, der gleich als Unterrock dient und daher mt Rüschen verziert ist. Wir haben jedoch als reinen Unterbau den Hummer ohne Verzierungen genäht und anhand des gleichen Schnittmusters noch einen dunkelbraunen Rock darüber konstruiert. Dieser besitzt einen Volant aus dem selben Stoff am Saum.

 

Darüber befindet sich ein Rock aus dem gleichen Stoff nach dem Schnitt TV 305. Vorn wird dieser schürzenartig gerafft, hinten mit Knöpfen geformt. Zur Zierde haben wir noch Rüschen und eine Schleife aus kupferfarbenem Crash-Taft aufgenäht.

 

Das Oberteil folgt der TV 416 und ist zusätzlich mit Plastikfischbein verstärkt. Die Knöpfe sind mit dem Crash-Taft bezogen. Für die Spitze an Ärmeln und Ausschnitt haben wir (ursprünglich weiße) Spitze in 2 Gängen zunächst mit Simplicol Maisgelb und dann mit etwas Mittelbraun gefärbt, sodass ein goldener Pfifferlingston entstand. Die Schleifen sind ebenfalls aus dem Crash-Taft genäht.

 





 

Abendtournüre seitlich
Abendtournüre seitlich

 

Abendtournüre von hinten
Abendtournüre von hinten

 

Abendtournüre von vorn
Abendtournüre von vorn

 

Entwurf für die Abendtournüre
Entwurf für die Abendtournüre

Bademode

Im 19. Jahrhundert war es natürlich undenkbar, sich in der Öffentlichkeit derart zu entblößen, wie wir das heute beim Baden tun. Gebadet wurde meist auch getrennt nach Geschlechtern. Die Damen wurden in Badewagen ins Wasser hinaus gefahren, wo sie ungesehen aussteigen und schwimmen konnten. Wir haben für verschiedene Anlässe Bademode nach einem Schnitt von Ageless Patterns (1410) genäht. Dieser Schnitt ist sehr einfach gehalten, mit Anleitungen wurde allerdings auch sehr sparsam umgegangen.  

 

Für das Badekleid haben wir Baumwolle in verschiedenen Farben verwendet. Bevorzugt waren dunkle Farben, da helle Stoffe im Wasser ja oft durchsichtig werden würden.  

 

Das Oberteil besteht aus wenigen Schnittteilen, die wir aus der roten Baumwolle zugeschnitten haben.

 

 

Entgegen der Anleitung haben wir vorn jeweils noch einen Besatz aus blauer Baumwolle zugeschnitten. Die Ärmel bestehen aus jeweils 2 übereinandergelegten Teilen, die wir gedoppelt und gepaspelt haben.  

 

 




Den großen Kragen haben wir durch einen kleinen Rundkragen aus blauem Stoff ersetzt, der ebenfalls gepaspelt ist. 

 

 

Dann wurden ins Oberteil Falten mit Paspeln eingefügt, da die Schulterbreite doch sehr groß ausfällt.  

 

 

Geschlossen wird es mit 6 Knöpfen und mit einem Band gegürtet.  

 

Zum Schluss noch die Deko.  

 

Die Hose wurde so genäht, wie angegeben, allerdings an den Seiten mit roten Streifen und blauen Paspeln.  

 

 

 

Zum Schluss darf natürlich die Haube nicht fehlen. 

 

Bademode