Goldstickerei

Material

Unter Hinweise und Links finden Sie eine komplette Liste der Stickgarne, die wir verwenden, sowie weitere Hinweise und Quellen, woher Sie die Garne bekommen können. 

Verschiedene Sticktechniken

In der Renaissance stand im Gegensatz zu heute nicht eine solche Vielzahl an Materialien preiswert zur Verfügung. Die heute üblichen metallisierten Garne, die sich teilweise auch zum Durchziehen eignen, gab es noch nicht. Goldstickerei wurde üblicherweise mit Goldfäden ausgeführt, die aufgenäht wurden, da sie zum einen sehr teuer und andererseits zum Sticken auch nicht geeignet waren. Nachgewiesen sind in dieser Zeit verschiedene Techniken:

 

Die Auflegearbeit:

Hier wird ein Goldfaden (den man sich wie eine dünne Kordel vorstellen muss) in Mustern auf den Stoff gelegt und mit einem gelben Seidenfaden mit Überfangstichen angenäht.

Goldkordel
Goldkordel

Auflegetechnik
Auflegetechnik

Die Sprengtechnik:

Dabei wird das Muster unterlegt (z.B. mit Baumwollfäden oder zurechtgeschnittenes Leder). Dann wird der Goldfaden (wieder in Form einer Kordel) jeweils von einer Seite zur anderen geführt und mit einem dünnen Seidenfaden festgeheftet.  

 

Sprengen
Sprengen

 

 

Die Kantillenstickerei/Bouillonstickerei:

Kantillen sind feine Spiralen aus Golddraht (heute auch unter Bouillondraht). Das Muster wird wiederum mit Leder oder anderen Materialien unterlegt. Heute wird auch gern Filz verwendet. Dieser wird in die gewünschten Formen geschnitten und mit Heftstichen auf die Unterlage genäht.

 

Filz für Kantille
Filzunterlage aufnähen

 

Dann werden von der Kantille passende Stücke abgemessen und zurechtgeschnitten. 

 

Goldkantille
Goldkantille zuschneiden

 

Nun werden die einzelnen Stücke auf eine Nadel gezogen und mittels eines dünnen Fadens (früher verwendete man gelbe Seide - wir nehmen Ophir aufgesplisst) über die Filzunterlage genäht.

 

Aunähen der Kantille
Aufnähen der Kantille

 

Anschließend werden die fertigen Formen mit einem dickeren Golddraht (Gespinnst) umrandet, um saubere Kanten zu erzielen.

 

Umranden
Umranden

 

 

Außerdem wurden auch schon Perlen, Steine und ähnliches verwendet.  

Perlenstickerei
Perlenstickerei

 

Wir verwenden bei unseren Stickereien auch sehr viel Plattstich, der wie bei der Kantillenstickerei unterfüttert wird. Dieser ist mit den heute üblichen metallisierten Garnen sehr leicht zu sticken und wesentlich weniger zeitaufwändig als die Kantillen- oder Sprengtechnik, wenn auch historisch natürlich nicht ganz korrekt.

 

Erstellung der Vorlagen

Zuerst werden die Muster auf einem normalen Bogen mit Bleistift entworfen. Als Vorlagen dienen hierzu historische Gemälde, Intarsienschnitzereien, das erwähnte Handarbeitsbuch von Thérèse de Dillmont oder die eigene Fantasie. Florale Motive mit Blättern und Ranken, Knoten sind typisch für die Renaissance.

Für Teile, die nicht gerade bzw. rechtwinklig sind, wie z.B. die Seitenteile der Corsage ist es am besten, das Schnittmuster auf weißes oder kariertes Papier zu übertragen und das Muster direkt in das Teil hinein zu entwerfen:

 

das Stickmuster auf dem Schnittteil konstruieren

 

Übertragen des Musters auf den Stoff 

Nun werden die Muster mit einem Pastellstift (z.B. Pastell Pitt von Faber Castell) auf Transparentpapier übertragen. Nicht zu dünn zeichnen, malen Sie das Motiv am besten einige Male nach, damit sich eine genügend dicke Schicht bildet! Dieses Transparentpapier wird mit der bemalten Seite nach unten auf die Rückseite des Samtstoffs aufgelegt und fixiert. Achtung! Die Teile noch nicht zuschneiden, sie können sonst nicht mehr in den Stickrahmen gespannt werden! 

Dann wird das Muster mit dem Finger kräftig abgerieben.

 

vorgezeichnetes Stickmuster auf den Stoff abreiben

 

Hier nochmal ein Hinweis: In den meisten Handarbeitsgeschäften wird man versuchen, Ihnen diverse Bügelmusterstifte zu verkaufen oder auch Kopierpapier für Stoff. Haben wir auch alles ausprobiert, funktioniert aber auf Samt überhaupt nicht, die Oberfläche ist nicht glatt genug und der Samt gibt zu stark nach.

 

übertragenes Stickmuster

 

Wenn nun das Muster auf der Rückseite des Stoffes erscheint, wird dieser in den Rahmen gespannt und die Linien mit dünnem Gold- oder Silberfaden nachgestickt, damit das Muster auf der Vorderseite erscheint. Seien Sie beim Einspannen sehr vorsichtig! Da der Pastellstift eine Art Kreidestift ist, erscheint das Muster nur recht blass auf dem Samt und verwischt leicht.

 

Nun sind die Vorbereitungen abgeschlossen und es kann losgehen.

Wer sich ernsthaft mit Goldstickerei beschäftigen will und keine Vorkenntnisse besitzt, dem sei hier nochmals die "Encyclodaedie der weiblichen Handarbeiten" ans Herz gelegt. Dort sind alle notwendigen Techniken sehr gut beschrieben und auch zahlreiche wunderschöne Muster vorgestellt.  

 

Für alle anderen hier eine grobe Einführung:

Ordentliche Goldstickerei kann nur am Stickständer mit Lupe durchgeführt werden. Zum einen braucht man für viele Techniken beide Hände und zum anderen muss man mit Metallfäden sehr viel exakter arbeiten als mit Baumwolle, damit es gut aussieht. Grobe Goldgarne wie Anchor Astrella eignen sich nicht zum Durchziehen auf Samt, diese verwenden wir nur für die Auflegetechnik.  

 

Erklärung am Beispiel 

Hier nun die Entstehung der Stickerei für das Cranachkleid Stück für Stück am Beispiel des Oberteils.

Als erstes wurde der Entwurf auf das Schnittmuster gezeichnet und wie oben beschrieben mit Hilfe von Pastellstift auf den Stoff übertragen:

 

Die auf den Samt übertragenen Stickereien

 

Nun wird das Muster mit Goldfaden nachgestickt:  

 

Die Konturen nachsticken

 

Nach dem Umdrehen und Einspannen des Stoffes werden nun alle Stickereien außer dem Aufnähen der Perlen ausgeführt. Diese werden erst zum Schluss aufgebracht, da sie sonst evtl. das Einspannen behindern. Hat man ein Muster, das vollständig in den Rahmen passt, kann man die Perlen natürlich auch gleich einarbeiten.
 

Für die großen Ranken wird Anchor Astrella aufgelegt und mit einem Einzelfaden Ophir aufgenäht, dabei den Faden mit einer Hand führen und mit der anderen annähen.

 

Die Blüten und Blätter werden zuerst mit Ophir (kompletten Dreierfaden auflegen und mit Einzelfaden anheften) vorgestickt. Wenn die Formen gut ausgefüllt sind, wird in Plattstickerei mit Anchor Lamé
nachgestickt. Dabei wirkt das Motiv schöner, wenn zwei verschiedene Töne, z.B. altgold und gelbgold verwendet werden.

 

Die Blüten sticken

 

Die Perlenblüten wirken plastischer, wenn sie mit einem Ring aus Gold- oder Kupfergarn unterlegt werden. Dazu haben wir DMC Mouliné verwendet, das ebenfalls mit Ophir angeheftet wurde.  

 

die Perlenblüten sticken

 

Für die Blüten wurden Quetschperlen gold und Wachsperlen kultur 2 mm verwendet. Quetschperlen sind zwar nicht so gleichmäßig wie Miyukis, aber gerade das macht sie, wie wir finden, auch authentischer, zumal sie außerdem auch aus Metall sind.

 

Feritge Stickerei

 

Stickvorlagen zum Herunterladen 

Die Stickmuster für unsere Roben entwerfen wir selbst mithilfe von Bildvorlagen oder Originalen (z.B. Holz- oder Marmorschnitzereien an zeitgenössischen Möbeln, Deckenbalken u.a.) und allem, was sich sonst finden lässt. Sie können diese Stickmuster jeweils unter der Beschreibung der Stücke herunterladen.

 

Stickprojekte im Detail

Zu der prunkvollen Männer-Ausstattung aus brauner und blauer Seide kommt inzwischen ein reich bestickter brauner Samtumhang mit (Kunst!-)Pelzbesatz. Die Entstehung - insbesondere der Stickerei - können Sie im folgenden PDF herunterladen und nachvollziehen.

 

Umhang mit Lutherrose in Goldstickerei
bestickter Samtumhang von hinten

 

Das Gesamtwerk finden Sie unter Männermode.