Männermode

Einführung in die Thematik 

Interessanterweise war die Männermode im 16. Jh weitaus formenreicher und schnelleren Wechseln unterworfen als die der Damen. Teilweise im Abstand von 10 Jahren veränderte sich der Look. Allerdings zieht sich die Anlehnung an Militärformen durch. Man befand sich stetig in kriegerischen Auseinandersetzungen und so drangen die Formen von Rüstung und Landsknechtsmode auch in den zivilen Bereich ein. Ein Beispiel hierfür ist die neue Form des Wamses: tailliert und mit Längsborten versehen sollte es den Brustpanzer der Rüstung nachahmen.


Im Gegensatz zur Gotik, die für Männer eng anliegende Kleidung bevorzugte, wurden die Gewänder nun voluminös, man verwendete viel Stoff, der das Gewand bei Bewegung schwingen ließ.

Die Schecke, die aus der Gotik übernommen wurde, veränderte ihre Form mehrmals. Zum Ende des 15. Jh. wurde der Ausschnitt tiefer und auch die Männer gaben den Blick auf das darunterliegende Hemd frei, wie dieses Bildnis von Lorenzo il Magnifico zeigt.


Damit ergab sich die Möglichkeit, auch dieses reich zu schmücken. Außerdem wurde aus der in der Gotik immer kürzer gewordenen Schecke jetzt ein teilweise knielanges Kleidungsstück, das praktisch viergeteilt war: Gerades und ausgeschnittenes Oberteil, rechter und linker Ärmel und Unterteil, das einem knielangen Rock ähnelte. Bereits zwischen 1520 und 1530 verschwindet das Dekolleté allerdings wieder und die Schecke ist hochgeschlossen. Vom Hemd ist nur der Kragen zu sehen, der aber gerade deshalb aufwändig bestickt wird.

Eine weitere Anlehnung an die Rüstung war der Koller; wurde dieses Kleidungsstück früher unter der Rüstung getragen, um ein Scheuern zu verhindern, trug man es nun als Oberbekleidung. Während die ursprüngliche Variante aus Leder war, wurde nun Stoff verwendet und auch dieser wie alle anderen Kleidungsstücke geschlitzt und bestickt.

Neu war die Schaube, ein weiter oft mit Pelz verbrämter Mantel, der der Figurein quadratisches Aussehen gab, hier bei Karl V sehr schön zu sehen. Interessant an diesem Bild ist auch die Herstellung der Hose, die eigentlich aus drei Hosen bestand:

- ganz unten eine enge Hose aus Leinen, die allerdings kein richtiges Vorderteil besaß. Sie bestand aus einem Teil, der das Gesäß bedeckte und das mit Bändern, die vorne gekreuzt wurden und einem Bund gehalten wurde. Die Hosenbeine aller drei Lagen (Unterhose, Futterhose und Oberstoff) sind nur an diesem Teil befestigt. Der Koller musste deshalb lang genug sein, um die nackte Haus zuverdecken. Um peinliche Verwirrungen zu vermeiden und die Damen nicht unnötig zu echauffieren, wurden die edlen Teile durch die Schamkapsel verdeckt.  

- Die Futterhose ist etwas weiter als die Unterhose.  

- Die Oberhose besteht aus aneinandergesetzten Längsstreifen, die an Querstreifen befestigt sind.

 

Besondersbeliebt wurden in der Renaissance Embleme, die teilweise mit einem Motto versehen waren. Verschiedene Formen hatten eine bestimmte Bedeutung, die auf die Einstellung des Trägers hinwies. Man demonstrierte mit dem Tragen dieser Embleme (z.B. am Barett) seine Bildung, indem man bewies, dass man ihre Bedeutung kannte. Mit der Besonderheit der eigenen Kleidung wollte man sich von anderen abheben. Tatsächlich beklagt Baldassare Castiglione in seinem Buch "Il Cortigiano" (der Hofmann), dass im Gegensatz zum Ideal des sich in die Gemeinschaft einfügenden Edelmannes die Kleidung immer aufwändiger und individueller würde. Die Einflüsse aus dem Ausland würden immer mehr zunehmen und es gäbe keine typisch italienische Mode mehr.

Ein Beispiel für ein außergewöhnliches Kleidungsstück ist auch das Verlobungsportrait Heinrichs des Frommen. Dieses Gewand wurde aus zwei Lagen Stoff gearbeitet. Der Unterstoff ist gelb, der Oberstoff rot. Der Flammeneffekt wurde erreicht, indem in den Oberstoffs-förmige Schlitze geschnitten wurden, dann wurden die entstehenden Streifen in sich verdreht und mit Heftstichen arretiert. Dadurch ist das darunterliegende Futter zu sehen. Für die Querbalken wurden ebenfalls Schlitze eingefügt und der Stoff inkl. Futter nach außen gerollt. (Es müssen also wohl 2 Lagen Gelb gewesen sein). Außerdem wurden in Ellbogenhöhe Glöckchen in Form eines Granatapfels angenäht, die Glück und Wohlstand symbolisieren sollten.

Auf den Cranachgemälden ist oft kein aufwändig gestalteter Schmuck zu sehen, sondern nur die groben Spanketten. Tatsächlich dienten diese auch nur der Zurschaustellung von Reichtum. Bei Bedarf konnte ein Glied herausgetrennt und als Zahlungsmittel verwendet werden.

Einen auffälligen Unterschied zur Damenmode stellt die Stoffwahl dar. Während Damen oft gemusterte Stoffe trugen, wurden Männergewänder aus einfarbigen Stoffen hergestellt, aber aufwändig bestickt. Ein schönes Beispiel ist dieses Gewand von Franz I von Frankreich. Hier wurden alle Elemente vor dem Zusammenfügen bestickt. Schön zu sehen ist hier auch das Ideal des "Kriegers". Die breiten Schulterpassen wurden von der Rüstung übernommen. Die Schultern sind überbreit, die Ärmel voluminös. Dies alles sollte die Gestalt wuchtig erscheinen lassen und körperliche Präsenz vermitteln.

Es wurde teilweise sogar die spitze Form der Rüstung am Bauch, die eigentlich zum Ableiten der Stiche/Hiebe mit dem Schwert gedacht war, übernommen.

Hier noch eine Anmerkung zu Bildnis und Realität: Die Gemälde waren nicht dazu da, die Realität abzubilden, sondern ein bestimmtes - vom Dargestellten gewolltes - Bild zu vermitteln. Es wurden Ideale dargestellt. So wird beispielsweise vermutet, dass etliche der dargestellten Gewänder gar nicht existierten. Viele ließen sich beispielsweise in schwarz malen, weil diese Farbe sehr teuer war und sie sich nicht viele leisten konnten. Ob die Gewänder in Wahrheit nicht bunt waren, lässt sich heute nicht mehr ermitteln.

 



Unsere Herrengewänder   

Die ersten Modelle entstanden in Anlehnung an die im Film "Luther" gezeigten Gelehrtengewänder. Hier wurde sehr viel improvisiert. Trotzdem werden wir versuchen, die Entstehung zu dokumentieren, um eine Anleitung zu geben. Diese Modelle erinnern in ihrer Art am ehesten an die Gewandung der Calvinisten, die Schwarz bevorzugten und jeden Prunk ablehnten.

Schwarze Wamse aus Samt

Wams mit eckigem Ausschnitt
Wams mit eckigem Ausschnitt

Wams mit rundem Ausschnitt
Wams mit rundem Ausschnitt

Als Vorlage wurde hier ein Burda-Schnitt verwendet, der eigentlich für eine Weste gedacht ist. Ergänzt wurden von uns die Schulterpatten und die Ärmel. 

Seitenansicht einer Patte
Seitenansicht einer Patte

Vorderansicht einer Patte
Vorderansicht einer Patte

Für die Patten einfach den Ärmelausschnitt messen und ein abgeschrägtes Stoffstück doppelt pro Ärmel zuschneiden. Zur Verzierung haben wir beim Zusammennähen der Außenkante eine Borte eingefasst. Die Ärmel wurden aus einem normalen Ärmelschnittmuster zugeschnitten, das auch einem Damenschnitt entlehnt werden kann, falls nichts Anderes zur Hand ist, dabei in der Mitte 2cm zugeben. Dann wird das Stück in der Mitte auseinandergeschnitten und beide Seiten versäubert. Danach wird die Naht an der Unterseite geschlossen und der Ärmel so an die Patte genäht, dass die Schlitze oben sind. Nun kann der Ärmel eingenäht werden.

 

Nach Belieben können dann Knöpfe oder andere Verzierungen angebracht werden. Dabei sollte auf nicht zu kleine Abstände geachtet werden, da das Hemd durchscheinen soll. Als solches empfehlen wir ein weißes Baumwollhemd zu tragen, wie man es bei zahlreichen Gothic-bzw. Mittelalter-Websites bestellen kann.

 

Wams mit Knöpfen und durchscheinendem Hemd
Wams mit Knöpfen und durchscheinendem Hemd

 

Die unteren Klappen werden ebenfalls doppelt zugeschnitten und an 3 äußeren (rechts, links, unten) Nähten zusammengenäht, dann wenden und mit der offenen Naht an das obere Teil annähen. Auch dabei können Borten mit eingefasst werden oder zur Zierde die Nähte nochmal nachgesteppt werden.

Das komplette Wams ist außerdem abgefüttert, um ein Fusseln zu verhindern. Hier ein kleiner praktischer Hinweis: Während wir im sichtbaren Bereich viel Wert auf Authentizität legen, haben wir innen einige zeitgemäße Verbesserungen eingearbeitet. So ist eine Innentasche für Geld, Papiere und evtl. auch eine Handytasche sehr praktisch. Schließlich haben die Pluderhosen keine Taschen, die dafür geeignet sind.

 

Passende Umhänge zu den Samtwamsen

Wams mit dunkelblauem Umhang
Wams mit dunkelblauem Umhang

Wams mit dunkelgrünem Umhang
Wams mit dunkelgrünem Umhang

1. Dunkelblauer Kurzmantel zum Binden:

Hierfür gibt es kein spezielles Schnittmuster. Wir haben 2 Rockbahnen in der entsprechenden Länge zugeschnitten und zusammengenäht. Dann wurde das Gleiche nochmals aus Futterstoff ausgeschnitten und an den Außenseiten zusammengenäht. Abschließend wurde ein Kragen angesetzt und alles mit einer Borte verziert. Beim Einsetzen des Kragens wurden gleichzeitig die Bänder zum Schließen eingearbeitet.

 

2. Grüner langer Mantel zum Schließen:

Hier wurde Schnittmuster Nr. 5925 von Simplicity verwendet.

 

Farbige Samtwamse

Nachdem wir Frauen dazu übergingen, uns in Cranach-Gewänder zu hüllen, war auch beim männlichen Geschlecht der Ehrgeiz geweckt, sich stilecht zu kleiden. So entstanden 2007/2008 die ersten beiden Herrenausstattungen in blauem bzw. grünem Samt. Die folgenden Wamse sind nach Schnittmuster Nr. 4695 von McCall's gearbeitet. Die dazu genähten Kniebundhosen entsprachen allerdings nicht dem Cranachstil und wurden in der Zwischenzeit ersetzt. Außerdem wurde das grüne Wams bereits überarbeitet.  

Wams aus dunkelgrünem Samt
Wams aus dunkelgrünem Samt

Renaissancewams und Hose
überarbeitete Variante

 

 

Wams aus royalblauem Samt
Wams aus royalblauem Samt

 

 

 

Wamse aus Seide

Nachdem 2008 und 2009 sehr heiße Sommer den Herren den Spaß am Samt etwas verleideten, haben wir begonnen auf Dupionseide umzustellen, die sich als sehr gut geeignet erwiesen hat und sich auch hervorragend besticken lässt. So entstand die braun-goldene Ausstattung mit der dem Gemälde von Moritz von Sachsen nachempfundenen Kopfbedeckung. Auch hier wurde für das Wams das oben angegebene Schnittmuster von McCall's verwendet.

Wams aus braungoldener Seide
Wams aus braungoldener Seide

zugehörige Schulterkette
zugehörige Schulterkette

Zu diesem Wams gibt es inzwischen neben der Schulterkette noch ein Hochbarett:

 

Hochbarett
Hochbarett

 

2010 kam dann die prunkvolle blaue Ausstattung hinzu. Diese haben wir inzwischen komplett überarbeitet und somit etwas authentischer gemacht. So haben wir die Pluderhosen  durch eine authentische Hose ersetzt (siehe PDF unten). Diese wurde nach Portraits von Heinrich dem Frommen gefertigt. Auch am Wams wurden vor allem die Ärmel erneuert und die Schöße zeitgemäß etwas verkürzt. 

erste Wams-Version
erste Wams-Version

überarbeitetes Wams
überarbeitetes Wams

alte Hose
alte Hose

neue geschlitzte Hose
neue geschlitzte Hose

 

Passend dazu haben wir aus einem sehr leichten Baumwollbatist ein Hemd genäht, das mit den typischen Stickereien verziert wurde. Hier haben wir auf ein Muster zurückgegriffen, das Prof. Isabella Bigazzi von der Uni in Florenz bei einem Vortrag an der HTWK Leipzig vorgestellt hat. Geschlossen wird es wie die Hose mit Bändern.

 

 

Renaissancehemd
Renaissancehemd

 

 

 

Diese Ausstattung wird ergänzt durch ein Tellerbarett in den gleichen Farben sowie (unverzichtbar!) eine Schulterkette, wie sie damals üblich war - natürlich auch selbsthergestellt.

Seidenbarett
Seidenbarett

Schulterkette Heinrich
Schulterkette Heinrich

Hier können Sie die Stickmuster für die Seidenwamse als Vorlage herunterladen.

 

Zudem gibt es zu dieser Ausstattung auch einen reich bestickten brauen Samtumhang. Da dieses Projekt mehr unter Goldstickerei fällt, finden Sie das entsprechende PDF unter ebendieser Rubrik ganz unten auf der Seite.

 

 

Rückansicht, Umhang mit Lutherrose
Renaissancegewand Rückansicht

 



 

Herrengewand Renaissance
Herrengewand Renaissance